Datenbefreier

Juli 16th, 2013

Aus den abgedunkelten Ecken kleiner Mietwohnungen versucht sich erneut der Widerstand gegen die Ungerechtigkeit der Welt zu formieren. Die Kämpfer sitzen, auch des, dank Chips und Fertigpizza stattlichen Bauumfangs wegen, in gekrümmter Haltung vor Aldi-PC´s und feuern unkoordiniert Ihre Angriffe ins weltweite Netz. Erfahrene Krieger, die sich mit Walfang, Ölverseuchung und Gentrifizierung, theoretisch, genauso auskennen wie mit Diktatur und Schwermetall im Babybrei … Sie haben sich nun vorgenommen gegen das zu sein, was ihnen Lebensinhalt gibt: öffentliche Wahrnehmung. Herr Snowden ist der Interimsgott der Scene und natürlich, im dritten Stock in Billbrocks Schattenseite, in Mettenhof oder Weiche hat man es schon immer alles Böse gewusst. Die sozialen Medien dieser Welt sind erfüllt vom Kampfgeblöck des boviden Widerstands. Die seltsame Koalition mit dem NSA amüsiert, wollen doch beide, (wie alle übrigens die vom Baum der Erkenntnis genascht haben) möglichst viel wissen. Die Methoden? Lächerlich – ist doch in der Scene der Wohnzimmermenschrechtler der illegale Informationsbeschaffer ein Held. Was als Unterscheid bleibt ist – vielleicht – groß gegen klein. Groß ist gemein und doof. Das ist schon beim Shellboykott der Grundrhytmus der Konditionierung gewesen. Wer nicht genug Verstand für eine Analyse aufbringt verlegt sich aufs Unken. „Wartet nur bis  … “ irgendwas und freut sich wenn der Supermarkt von nebenan einen 5 Euro Gutschein zum Geburtstag sendet. Zwei Fertigpizzen. Haut rein Helden!

Gärtnernde Böcke

März 14th, 2013

IMG_1279 Viele Dinge werde viel zu sehr aus einem Blickwinkel platonischer Ideenverliebtheit gesehen. Das here Ziel ist vor allem eines: unerreichbar! Die Alltagserfahrung lehrt uns mit einem zerknitternden Abbild unserer Wünsche zu leben. Ohne jedoch dabei den jeweiligen Werbeblock zum aktuell verbockten Projekt aufzugeben, diese Schizophrenie des Daseins hat ein jeder zu tragen. Daher machen auch so viele Böcke Karriere als Gärtner, die leidensfähigen Betroffenen, seien es Anteilseigner, Beschäftigte oder öffentliche Einrichtungen erleben geduldig immer wieder ihre Erfahrungen. Normalität ist statistisch. Abweichungen sind selten. Allerdings: gelegentlich wird jedoch schon mal ein „Bock geschossen“, was das dann von der Normalität abweichende Gärtnern erstens meist noch erschwert und zweitens in größte Gefahr bringt wenn es Es in die unnormale Nähe zur eigentlichen, reinen Idee bringt!

Printmedienmedien netto

März 8th, 2013

Die Frau, die versucht Medienprodukte des SHZ an den Kunden des Nettomarktes zu bringen hat ein Gesicht, das im Altpapiercontainer nicht auffallen würde. Sie spricht die Mittagseinkäufer an, alleinerziehende Mütter, die Fertigpizzen und Zigaretten kaufen, verlassenen Männer über 50, die diese Auswahl um Hinterschinken und Bier erweitern. Diese Zeitung benötigen Sie nicht, Sie sind für den Gang vom Habitat in die Weidegründe mit dem Nötigten versorgt. Das Schlechte der Welt kommt bequemer und zielgruppengenauer über die elektronischen Medien ins Haus. „Kann noch Sprechen TV“ ist hier der schärfste Gegner des SHZ. Der Orientierungslosen auf der Suche nach Bohnen ist die Werbebeilage der Wochenblätter Literatur genug und der Man mit Migrationshintergrund hadert mit der Sprache seines Gastlandes. Vielleicht der große mit den drei Pilzgebinden, die er sich akribisch zusammengeklaubt hat? Nein, er grinst ein norddeutsches Abwehrgrinsen und flieht wortlos ins Freie. Todesanzeigen vielleicht? Nein, ich komme sowieso nicht mehr raus. Ausser zu Netto, möchte ich – zugeben pedantisch – hinzufügen und das die elektronsichen Medien auch hier schneller waren: wer stirbt ist letztlich egal. Der/dem Produktmanager/in dieser Aktion würde eine Expedition ins Leben helfen …

Halt im Silberwald

Februar 14th, 2013
Gibt Trappern halt im Lärchenwald

Gibt Trappern halt im Lärchenwald

Richtig Winter. Vor lauter Gemecker über alles übersehen viele die Vorteile der kalten Jahreszeit. Erstens: keine Mücken! Kein Grillgeruch zumindest in freier Natur. Akkurat aufgeschichtetes wintergeschlagenes Holz lässt einen von einer heilen Welt mit Kreislaufwirtschaft träumen. Die Investition in eine neue Autobatterie zahlt sich aus und junge Damen tragen endlich einmal warme Kleidung und schonen die Nieren. Der Schnee dämpft die Geräusche und der klare Winterhimmel das Geltungsbedürfnis. Fussballer gehen nach dem Spiel schnell in die Umkleidekabine und hyperaktive Nachbarn sind im Skiurlaub. Eine heiße Tasse Kaffee erfüllt zwei Funktionen und öffentliche Einrichtungen wirken, so sie denn beheizt sind gemütlicher. Und das allerbeste: man kann sich auf den Frühling freuen.

 

Gnadenbringende Weihnachtszeit

November 22nd, 2012

In der Vorweihnachtszeit fühlt man sich des öfteren schlecht. Einerseits wegen der unsere Lebensweise geschuldeten Erkältungskrankheiten. Anderseits wegen der Spendeneintrieberei. Wie Bären, die sich die mühsam flussaufwärts kämpfenden Lachse greifen fallen besonders in dieser Jahreszeit die Spendenbeschaffer über mich her. Ausreichende Qualifikation für Spendenfähigkeit ist: ist bekleidet und kann sich auf beiden Beinen halten. Abgetrennte Gliedmaßen, Trinkwassermangel oder Pandemien, Völkermord, Vertreibung … ich schwanke. Schade das ich kein Star bin, ich könnte ein bischen malen oder singen und dabei nebenher noch ein paar Euros zusätzlich mit meinem Talent machen, weil alle mich „supernett“ fänden. Aber ich bin ungeschützt dem Sammlermob ausgeliefert. Ich bin „superdoof“ und kann mich von meinem Laster „da“ zu sein nur durch Ablasshandel befreien. Ich bin kurz davor eine Lebensversicherung abzuschliessen, mich umzubringen und das dann auszuschüttende Geld zur Verfügung zu stellen. Interessanterweise zählt nur Geld, eine Möglichkeit anders zu helfen gibt es nicht. Die Geschenke für die Kinder der Armen packen die Gut-Mensch-Muttis selbst, warum sollen Sie diesen Spaß auch teilen … der Geldgeber ist Samenspender für Ihren Sozialorgasmus. Und wehe Du stellst in Frage ob die Schülerbibeln im Zentralkongo die armen Kinder genau jetzt und gezielt weiterbringen: bei jeder Kritik kommt sofort der politisch korrekte Atomschlag: Egoist, Faschist, Rassist. Den einzigen Ausweg bietet die Notlügen-Dialektik: These: Spende. Anthithese: gern, aber ich bin selbst verschuldet, arm und verzweifelt! Synthese: Ach so … und schon entfernt sich die dämonische Dose …

Welche Welt hätten Sie denn gern?

November 7th, 2012

Ja. Irgendwie so, dass es mir gut geht. Alles klappt und gesund und so. Und Geld. Na klar … wäre es gut wenn wir die Welt gestalten könnten. Selbstverständlich denken viele, das Sie es täten, aber der dünne graue Mann mit der Tagesration in der Discountertüte hat klare Null Prozent Gestaltungsanteil. Was ihn nicht schlechter macht als 99,9 % der restlichen Weltbevölkerung. Das wir könnten wenn wir wollten ist nicht mehr als eine Fiktion. Wir können ja nicht mal wollen. Wir können Produkte aussuchen wenn sie da sind. Und kaufen wenn wir Geld haben. Und verbrauchen wenn wir Zeit haben. Der Mensch vor der Möglichkeit sich seine Welt zu gestalten bekäme gewiss einen Riesenschreck. Deshalb machen Andere und Anderes die Welt und wir haben Demokratie! Demokratie heißt nämlich, das alle meckern dürfen. Also mehr meckern als in Diktaturen, wo ein bischen Meckern auch erlaubt ist denn ohne meckern kann der Mensch nicht überleben. Ohne Weltbild schon, wunderbar sogar, es gibt schliessliche Einkaufs-, Erlebnis- und Urlaubswelten. So gesehen kein Wunder, das ich manchmal so weltfremd bin, ich habe halt manchmal einfach die falsche Welt erwischt. Ernsthaft nachdenken sollte man über das Weltenbummeln, der hier erworbene Erfahrungsschatz könnte doch die Frage beantworten helfen …

Businessfussball

September 11th, 2012

Businessfussball

 

¢ Fussball ist in aller Munde und erobert unsere Metaphorik. Die Vorbeter der modernen Konsumgesellschaft, die Werbetexter, schmincken ein wenig Englisch drauf und schon sind wir dabei und machen unsere Turniersiege täglich selbst.

 

Businessfussball. Wir schiessen jetzt Tore in alle Richtungen, der Chef hat die Regeln geändert, auch die Seitenlinien sind mit Toren versehen. Schumpeter wurde reanimiert und ist Schiedsrichter, er pfeift die kreative Zerstörung. Gelbe Karten gibt es für sichernde Rückpässe, wer während des Spiels Sinnfragen stellt fliegt. Welche Tore unsere und welche Gegnertore sind, wird in permanenten spielbegleitenden Teammeetings beschlossen. Da Verteidiger zu hohe Kosten verursachen ohne zum Ergebnis beizutragen wurden sie ausnahmlos eingespart und durch Stürmer ersetzt. Durch die gleichzeitige Steigerung der Zahl der Bälle wurde die Torfrequenz um 1000% (!) gesteigert und die Toreffizienz deutlich erhöht. Mit einem neuen, auf der Toreffizienz basierenden Vergütungsmodell wurde, neben der Legalisierung das Handspiels und der im Zusammenhang mit einem Torstreben erlaubten Tätlichkeit eine weitere Steigerung des Toroutputs erfolgreich bewerkstelligt. Um den Platz intensiver zu nutzen wurde auch die Zahl der gleichzeitig spielenden Mannschaften erhöht. Die Linienrichter wurden durch ein umfangreiches Mitspielerhandbuch ersetzt. Schumpeter wird durch keinerlei Flaggensignale mehr gestört, handbuchbasierte Einwände bleiben unwahrscheinlich. Ein Elfmeter hat jetzt Projektstatus und wird, direkt nach einem Kickoff-Meeting von der Deadline aus geschossen. Leider blieb der prognostizierte Zuwachs bei den Zuschauern bisher aus, allerdings hat der steigende Getränkeumsatz deutlich zu der erwarteten Ergebnisverbesserung beigetragen: die permaneten Torereignisse sorgen für mehr Glücksgefühle. Alles deutet darauf hin, dass Businessfussball sich durchsetzt!

©Heino Bubach 11.09.2012

Rendsburger Herbst

August 25th, 2012

Rendsburger Herbst

Der Rendsburger Herbst findet im Sommer statt. Würstchen, gebrannte Mandeln, der Autoscooter mit den Top-Hits der letzten 100 Jahre. Ein Gruselkabinett ohne Besucher. Vom Rummel auf dem Paradeplatz zweigt eine Aktivengasse ab: links die wenigen, die für etwas sind. Rechts geht die Welt unter weil zu wenige Rad fahren und Krötenlebensräume Seniorenanlagen weichen müssen. Im Innenhof des Arsenals Pakistanische Spezialitäten als Zertifikat politischer Korrektheit. Immerhin ein paar fröhliche Gesichter. Die Türkei kontert mit durchgehend weiblicher Besetzung am Döner. Ein Mann spielt mit Schlamm und Wasser. Abseits ein Reitverein. Fast alle Besucher sind passiv und haben schlechte Laune. Einsame Männer mit Rucksack und Renovierungsstau suchen ziellos das Glück! Wie wird der Rendsburger Winter?

 

Flugplatzfest

August 20th, 2012

Motorsportveranstaltungen oder Rockkonzerte arbeiten das Relative an der menschlichen Geräuschemfindung heraus. Der Flugsport, ein vielschichtiges, kulturelles Phänomen steuert dazu noch einige interessante soziologische Aspekte hinzu. Mit einem Flugplatzfest wendet sich eine eher kleine Gruppe, sozial eher höheren Schichten entstammende Gruppe an – überspitzt gesagt – die, über deren Köpfe sie brausen.  Und das klappt besser, als die Kampagnen der Spediteuere, die, obwohl deren Laster täglich das Bier für die, über deren Köpfe man braust, bringt, eher nicht gemocht werden. Natürlich hinkt der Vergleich, aber auch hinkend kommt man vorwärts. Sollten Sarkasten „lange Weile“ einwerfen, muss dies zumindest hingenommen werden, aber die brütende Hitze, bei der man sich dorthin bewegt hat, lässt eher doch Interesse vermuten. Das „hohoho“ bebauchter Männer in schmutzigen T-Shirts zum Bass der Sternmotoren einiger älterer Maschinen liefert Indizien für Technik-Grooming, schließlich macht der 8-Zylinder am Stammtisch alle stärker. Und irgendwie gehört man ja doch dazu, wer trägt nicht heimlich seine fliegenden Helden am Herzen?

Sollen was andere haben wollen

August 13th, 2012
Sollte er nicht pünktlich sein

Soll ich HIER warten?

Mir verschwimmt die Grenzen zwischen Angebot und Aufforderung. Faktisch wie sprachlich, wann soll ich dürfen und wann muss ich können? Man höre nur den „Bitten“ zu, die überforderte Eltern an ihre greinenden Kinder richten! Jewedes Nichterfüllen wird sanktioniert, die Tolerierung von Entscheidungen gegen Forderungen ist ausgestorben. Toleranzen sind nur noch in der Zielerfüllung fremder Ansprüche gestattet. Ob Bettler oder Börsenmakler, ob Parkplatzwächter oder Politiker … man nähert sich keinem mehr unvoreingenommen. Vielleicht noch im Falle einer Gefahr im Verzug oder Schlimmerem, aber darauf ankommen lassen möchte man es nicht … überall soll Soll erfüllt werden und die Sollzinsen steigen. Sollte man nicht mal innehalten und sich fragen was wir überhaupt sollen? Vielleicht ist das Personalpronomen falsch gesetzt, die Frage damit so gar nicht (mehr) zu stellen. Sollte „wir“ schon einer zu einer Fata Morgana zerfallen sein … wo „wir“ doch Gold gewannen? Es scheint so gruselig wie zunehmend wahrscheinlich: nur noch im Soll zählst Du voll …. als Mensch!