Businessfussball

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¢ Fussball ist in aller Munde und erobert unsere Metaphorik. Die Vorbeter der modernen Konsumgesellschaft, die Werbetexter, schmincken ein wenig Englisch drauf und schon sind wir dabei und machen unsere Turniersiege täglich selbst.

 

Businessfussball. Wir schiessen jetzt Tore in alle Richtungen, der Chef hat die Regeln geändert, auch die Seitenlinien sind mit Toren versehen. Schumpeter wurde reanimiert und ist Schiedsrichter, er pfeift die kreative Zerstörung. Gelbe Karten gibt es für sichernde Rückpässe, wer während des Spiels Sinnfragen stellt fliegt. Welche Tore unsere und welche Gegnertore sind, wird in permanenten spielbegleitenden Teammeetings beschlossen. Da Verteidiger zu hohe Kosten verursachen ohne zum Ergebnis beizutragen wurden sie ausnahmlos eingespart und durch Stürmer ersetzt. Durch die gleichzeitige Steigerung der Zahl der Bälle wurde die Torfrequenz um 1000% (!) gesteigert und die Toreffizienz deutlich erhöht. Mit einem neuen, auf der Toreffizienz basierenden Vergütungsmodell wurde, neben der Legalisierung das Handspiels und der im Zusammenhang mit einem Torstreben erlaubten Tätlichkeit eine weitere Steigerung des Toroutputs erfolgreich bewerkstelligt. Um den Platz intensiver zu nutzen wurde auch die Zahl der gleichzeitig spielenden Mannschaften erhöht. Die Linienrichter wurden durch ein umfangreiches Mitspielerhandbuch ersetzt. Schumpeter wird durch keinerlei Flaggensignale mehr gestört, handbuchbasierte Einwände bleiben unwahrscheinlich. Ein Elfmeter hat jetzt Projektstatus und wird, direkt nach einem Kickoff-Meeting von der Deadline aus geschossen. Leider blieb der prognostizierte Zuwachs bei den Zuschauern bisher aus, allerdings hat der steigende Getränkeumsatz deutlich zu der erwarteten Ergebnisverbesserung beigetragen: die permaneten Torereignisse sorgen für mehr Glücksgefühle. Alles deutet darauf hin, dass Businessfussball sich durchsetzt!

©Heino Bubach 11.09.2012

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